Landschaftswechsel bitter nötig...


Also ich muss sagen: In letzter Zeit passiert nicht wirklich viel.
Klar, ich laufe, komme gut vorwärts, lerne neue Leute und schöne Orte kennen. Aber das wars auch schon. 
Ich vermute allerdings, das liegt nur daran, dass für mich diese Wanderung schon zum Alltag geworden ist und es nichts Neues mehr ist, morgens aufzustehen, den Rucksack zu packen und loszulaufen. 
Zusätzlich war die Landschaft in den letzten Tagen eher unspannend. Reisfelder rechts, Reisfelder links, und immer auf Kieswegen gradeaus. 
Gestern bin ich sogar zur Abwechslung mal freiwillig an der Straße entlanggelaufen. 
Das ging zwar auch nur gradeaus, aber 
1. konnte ich schneller gehen und so mehr Strecke schaffen und Mike einholen (der Australier vom Sankt Bernhard-Pass) 
und 
2. war es eine Wohltat für die Füße mal nicht auf spitzen Kieselsteinen zu laufen, sondern auf flachem, festem Asphalt. 

Gestern Abend habe ich dann in Fidenza mit Mike zusammen etwas gegessen und wir haben wieder unsere Erlebnisse der letzten Tage ausgetauscht. Es macht immer wieder Spaß sich mit jemandem zu unterhalten, mit dem man sich versteht, und der ähnliche Sachen erlebt. Nicht nur, weil wir den selben Pilgerweg gehen (das machen die andern Pilger, die man unterwegs trifft, ja auch), sondern weil er auch für einen guten Zweck läuft und einen Blog schreibt. 
Alle anderen laufen meistens nur, weil sie in Rente sind und ihnen langweilig ist...

Heute war die erste Etappe, in der sich die Landschaft endlich wieder verändert hat. Und ich habe es sooo genossen! 
Endlich ging es wieder ein wenig auf und ab und ich hatte eine fantastische Aussicht über die Region Emilia Romagna, durch die ich grade wandere. 
Aus dieser Gegend kommen Parmesankäse und Parmaschinken. Für das leibliche Wohl ist also gesorgt... :)

Und obwohl ich jetzt doch einen längeren Text über mein grade "langweiliges" Wanderleben geschrieben habe, als ich dachte,
gehe ich jetzt einfach mal auf ein Thema ein, dass ich bisher kaum angeschnitten habe: Meine Unterkünfte. 

Seit ich in Italien unterwegs bin, schlafe ich nämlich fast ausschließlich in Pilgerherbergen ( "Ostello" genannt). In fast jedem noch so kleinen Ort entlang des Via Francigena hat man die Gelegenheit in einer dieser Unterkünfte zu übernachten. 
Meistens sind die Herbergen in kirchlicher Hand und man bekommt gegen eine Spende ein Dach über dem Kopf. Manchmal wird abends sogar gekocht und man kann ein leckeres warmes Gericht genießen, ohne dafür ein teures Lokal aufsuchen zu müssen. Natürlich sollte die Höhe der Spende dann angepasst werden. 

Einige Unterkünfte sind einfach alte Häuser, die zu Herbergen mit Mehr-Bett-Zimmern umfunktioniert wurden, andere wiederum sind wie einfach Hotels und bieten einem müden Pilger sogar richtig viel Komfort. 
Manchmal bekommt man einfach ein Zimmer direkt im Kloster, oder es stehen ein paar Betten im Haus neben der Kirche. Das ist ganz unterschiedlich. 
Bisher waren aber alle Zimmer und Waschräume (so einfach sie auch manchmal waren) immer annehmbar sauber und gepflegt. Man darf natürlich keine Hotel-Standards erwarten...

Auf jeden Fall ist man selten allein, sondern trifft abends in der Herberge immer ein paar andere Pilger, die sich nach einem anstrengenden Wandertag ausruhen möchten. 
Allerdings war es noch nie so voll, dass ich keinen Platz mehr bekommen hätte. Und selbst wenn: Hier sind wirklich ausnahmslos alle Menschen, die ich treffe, sehr nett und hilfsbereit. Obwohl ich kein Italienisch verstehe, treffe ich in fast jedem Ort jemanden, der mir ungefragt den Weg zur Herberge erklären will, und mir Tipps gibt, wo Pilger Rabatt bekommen oder man günstig Essen und Trinken kann. Ich bin mir also sicher, sollte mal irgendwo kein Platz mehr frei sein, werde ich nicht auf der Straße schlafen müssen. 
Obwohl es dazu sicher warm genug wäre... 

Apropos Wetter: Ich glaube ich hatte in Italien noch nicht einmal lange Ärmel an (Regenjacke zählt nicht. Die gibt's schließlich nicht mit kurzen Ärmeln...) und bin dementsprechend Braun gebrannt. 
Allerdings hatten die kurzen Klamotten auch zur Folge, dass mich in der Poebene die Mücken ordentlich erwischt haben. 
Als ich das letzte Mal nachgezählt habe, hatte ich so um die 30 Mückenstiche... 

So. Und bevor ich heute zufrieden in mein Herbergs-Bett falle und morgen wieder weiterlaufe, noch schnell zu einer anderen Sache:
Obwohl wir uns nicht kennen, hat Kerstin mir heute einen Gästebucheintrag hinterlassen, der mich sehr berührt hat.
Und ich wollte ihr nur mitteilen: 
Natürlich trinke ich in der Toskana einen Sambucca auf deinen Schutzengel Gesine! Es ist mir eine Ehre! 
Es tut mir leid, dass ihr euer Vorhaben, gemeinsam in die Toskana zu reisen, nicht mehr umsetzen konntet. Sollte dein Fuß aber doch noch von einer Spontanheilung profitieren, würde es mich unheimlich freuen, wenn du es schaffst mich ein paar Tage zu begleiten. 
Das ist sicher etwas kurzfristig, aber man weiß ja nie... :)
Wenn du mir über diese Homepage eine private Nachricht schreibst, oder mich über Facebook kontaktierst, kann ich dir direkt antworten und wir können uns ein wenig über unsere Fernwander-Erfahrungen austauschen, wenn du magst... 

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Kommentare: 1
  • #1

    Doris (Donnerstag, 16 Juni 2016 20:26)

    Hallo Sally, endlich kann ich wieder etwas von dir lesen und obwohl wir gerade soviele Kilometer von einander entfernt sind, haben wir gerade einiges gemeinsam. Ich liiiebe Parmesan und Parmaschinken und die Mücken erwischen uns hier auch zur Zeit sehr zahlreich. Ich finde es interessant von den Unterkünften zu hören. Ich hatte irgendwie kein Bild davon. Zum Glück ist alles sauber und Luxus hattest du ja ohnehin nicht erwartet oder?! Ganz liebe Grüsse


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