Schneller als gedacht!


Kurzerhand haben Mike und ich uns mit unserem Zimmergenossen Guntram aus Österreich zusammengeschlossen und sind gestern zu dritt den Großen Sankt Bernhard-Pass heruntergelaufen. 
Und es hat soooo viel Spaß gemacht!!! 
Wir haben uns unterhalten, zusammen gelacht und gelitten, und vom vor uns liegenden italienischen Essen geschwärmt! 
Es hat zwar in Strömen geregnet, und wir konnten keinen Fuß auf den Via Francigena setzen, aber der Weg an der Straße entlang ging dafür umso schneller.

So erreichten wir schon gegen 13 Uhr Etroubles. 
Mike hatte dort sein Zimmer vorausgebucht. Da Guntram noch einmal 15 km nach Aosta laufen wollte, lies er sich nicht lange aufhalten und verabschiedete sich von uns. 
Mike und ich suchten das erste Restaurant auf, dass wir finden konnten, und ließen uns Lasagne und Panacotta schmecken!
Und da wir grade noch in der teuren Schweiz unterwegs waren, kamen uns die normalen Preise sogar extrem günstig vor, und das Essen hat noch besser geschmeckt... :)

Nach dieser überaus leckeren Pause wollte ich noch in mein eigentliches Etappenziel Echevennoz laufen (ca. 4 km) und verabschiedete mich ebenfalls. 
Ich bin mir sicher, ich treffe Mike irgendwo auf dem Weg nach Rom wieder! 

Als ich allerdings nach weniger als einer Stunde Echevennoz erreichte, hatte ich noch einiges an Energiereserven über und beschloss noch ein wenig weiter zu laufen. 
Als ich in Girod grade nach einer Unterkunft Ausschau halten wollte, zeigte mein GPS-Gerät nur noch 5 km bis Aosta an. 
Und warum auch nicht: ich lief einfach gleich bis Aosta. 

Und wer begegnete mir 5 Minuten später an einer Straßenkreuzung? Anne-Therese vom Sankt Bernhard-Pass! 
Gemeinsam bewältigten wir die letzten Kilometer nach Aosta und stellten erfreut fest, dass wir heute über 30 km gelaufen waren. 
Anne-Therese hat ihre ganze Wanderung in einer Reiseagentur in den Niederlanden gebucht. Dort wurde alles für sie organisiert, also hatte sie in Aosta auch schon eine feste Unterkunft. 
Ich versuchte es bei einer kleinen Pilgerunterkunft, die in meinem Wanderführer angegeben war, und hatte Glück. 
Ich spreche zwar noch weniger Italienisch als Französisch, und die Nonne in der Herberge (die übrigens ausschließlich an Frauen Betten vergibt) sprach weder Deutsch, noch Englisch, aber wir schafften es dennoch uns zu Verständigen. 
Ich bekam ein überraschend großes Zimmer mit eigenem Bad zugewiesen und war glücklich angekommen zu sein. Immerhin hatte ich eigentlich geplant Aosta erst heute zu erreichen. Ich bin also zwei Etappen an einem Tag gelaufen. 
Ich legte jetzt aber keinen Pausentag ein, sondern lief heute morgen weiter. 
Es hat mich gepackt! :) 

Kurz nachdem ich Aosta verlassen hatte, holte mich Guntram ein und war sichtlich überrascht mich zu treffen. Wollte ich doch gestern eigentlich nur bis Echevennoz. 
Zu unserer beider Freude hatten wir dann heute das gleiche Ziel (Châtillon) und kamen gemeinsam 
in einem flotten Tempo voran. Nachdem wir ein paar andere Pilger überholt hatten, gönnten auch wir uns eine kleine Pause und besorgten uns in einem Alimentari (kleine italienische Supermärkte) etwas leckeres zu trinken. Irgendwann wird das ewige stille Wasser dann doch langweilig und man freut sich über ein kühles Getränk mit Geschmack... 

Nachdem es gestern den ganzen Tag geregnet hatte, bekamen wir heute etwas von der italienischen Hitze zu spüren und die Temperatur kletterte schnell auf fast 30 Grad. 
Trotzdem freuten wir uns endlich eine schöne Aussicht zu haben und nicht nur Nebel und Regen zu sehen. 
Ratzfatz erreichten wir Châtillon und hielten nach einer Unterkunft Ausschau. 
Die wenigen Betten im Kapuziner-Kloster waren leider schon belegt, aber wir hatten zwei Straßen weiter bei einem kleinen Bed&Breakfast Glück. 
Jetzt wird erstmal geduscht und ein wenig geschlafen, bevor wir uns zu einem leckeren italienischen Abendessen verabredet haben. 
Morgen gehen wir gemeinsam nach Verrès. 


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Kommentare: 2
  • #1

    Doris (Freitag, 03 Juni 2016 18:50)

    Wow, das klingt ja wie aus einem Pilgerroman

  • #2

    Kerstin (Freitag, 03 Juni 2016 21:14)

    Hey Sally, es freut mich so, dass du endlich ein paar Pilger triffst und nicht mehr fast immer allein wanderst! Und ich hab mich eben total gefreut, ganz viele neue Fotos von dir zu sehen! Es ist echt großartig, dass du inzwischen in Italien bist und ich hoffe, dass du noch ganz viele neue Bekanntschaften machst :D


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