Wildcamping


Mein Abenteuer in der Schweiz beginnt mit einem Stadtbummel in Basel, bei dem mir in beiden großen Basler Kirchen von den netten Menschen an der Information etwas geschenkt wird. Eine Postkarte, ein Kirchenführer und ein Armband, dass die schweizer Kirchen zu Gunsten der Flüchtlinge verteilen. "Farbe bekennen" steht dort. 
Ich werde dieses Armband in Ehren halten und so lange wie möglich tragen. So langsam wird mein Arm voll... :)

Anschließend musste ich lernen, was es bedeutet in der Schweiz zu wandern. 
Schöne Landschaft, Kuhglocken und steile, teilweise kaum sichtbare Pfade bergauf. 
Auf der Etappe nach Reigoldswil habe ich mir sehr viel Zeit lassen können, da ich mir vorgenommen hatte das erste mal wild zu campen. Also nicht auf einem Campingplatz, sondern wirklich draußen in der Natur. 

In Reigoldwil machte ich eine letzte Pause um mein Abendessen zu verputzen und mich danach nochmal auf den Weg steil nach oben zu machen. 
Eine Stunde lang hielt ich nach einem geeigneten Platz für mein kleines Zelt Ausschau und wurde tatsächlich fündig. Mitten im Wald nahe einem kleinen Wasserfall fand ich einen angelegten Grillplatz. 
Hier schlug ich also mein Zelt auf und war froh diesen Platz gefunden zu haben. 
Beim Wildcampen ist das nämlich so eine Sache: In Deutschland zum Beispiel ist es ganz verboten, in der Schweiz ist es von Kanton zu Kanton, und manchmal sogar von Gemeinde zu Gemeinde, anders geregelt, und daher etwas unübersichtlich. 
Mit meinem Grillplatz hatte ich wenigstens das Gefühl, dass das Zelten erlaubt ist und konnte ruhigen Gewissens einschlafen, ohne ständig darauf zu horchen, ob jemand kommt, der mich wegscheucht. 

Die Nacht im Zelt war verdammt kalt! 
Aber ich habe einfach alle Klamotten die ich dabei habe angezogen, und dann gings. 
Nach einigen Stunden Schlaf wurde ich morgens dann tatsächlich vom Vogelgezwitscher um mich herum geweckt. Das war herrlich! 

Nach einem kleinen Frühstück machte ich mich weiter auf meinen Weg. Nächstes Etappenziel: Solothurn. 
Diese Etappe war wirklich anstrengend. Erst ging es ziemlich lange steil bergauf, danach wieder sehr steil bergab (und das ist auch anstrengend...), und danach sehr weit in der prallen Sonne im Tal bis nach Solothurn. 
Völlig fertig erreichte ich nach über 30 km Fußmarsch die Stadt und musste feststellen, dass dort grade die jährlichen "Bike Days" statt fanden. Mich beschlich sofort das Gefühl, dass in der Jugendherberge, in der ich eigentlich unterkommen wollte, kein Bett mehr frei sein würde. 
Dort angekommen bestätigte die Dame an der Rezeption meine Befürchtung und eröffnete mir, dass ich auch in den restlichen Hotels und Pensionen kein Glück haben würde. 
Also blieb mir nichts anderes übrig als noch einmal 2 km weiter zu laufen um auf ein freies Plätzchen auf dem Campingplatz zu hoffen. 
In Ortschaften ist Wildcampen nämlich auf jeden Fall verboten und meine Motivation noch weiter zu laufen, bis ich draußen in der Natur einen Zeltplatz finde, war gleich null. 
Aber ich hatte Glück. Auf dem Campingplatz wurde noch eine Ecke für mein kleines Zelt gefunden. 
Und Wlan gab es sogar auch... :)

Nach einer erholsamen Nacht (im Tal ist es ja zum Glück nachts nicht so kalt...) bin ich gespannt, wo es mich heute hin verschlägt. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Julia (Sonntag, 22 Mai 2016 10:26)

    Liebe Sally,
    mannomann - es ist so aufregend für uns am Schreibtisch, was Du erlebst und wie Du Deinem Leben Tiefe verleihst. Ich finde es nach wie vor klasse, dass Du diese Reise nach Rom und zu Dir selbst unternimmst, und dass Du uns daran teilhaben lässt. Nun wünsche ich Dir weiterhin eine gute Zeit und herrliche Natur und liebe Menschen und alles Gute.
    Julia

  • #2

    Doris (Sonntag, 22 Mai 2016 15:12)

    Man Sally, du erlebst tatsächlich Abenteuer pur. Ich bewundere dich immer, wie du alles hin nimmst. Kälte, wilde Natur, kein WLAN. Die Steilwege sind auch nicht zu verachten. Aber auch die netten Menschen und die fremden Städte und Länder. Bin in Gedanken bei dir und begleite dich. Bleib gesund und bis bald im Blog.

  • #3

    M. Dölling (Sonntag, 22 Mai 2016 21:00)

    Unsere Bewunderung für Deinen Durchhaltewillen ist enorm. Du nimmst aber auch die schwierigsten Aufgaben an und versuchst sie zu lösen. Wir wünschen , dass Du immer die richtigen Entscheidungen für Deine Vorhaben triffst .Alles Gute weiterhin.


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